HeimSuchungen – Die Zeitzeugen

Maria Branahl
*1932 in Blüchersruh (Krieblowitz)

Vertrieben wird sie erst im Mai 1947, weil die Familie ihren Betrieb auf Befehl der russischen Besatzer bis dahin weiterführen muss. Neben der Mitarbeit in der elterlichen Gärtnerei wird Maria Branahl in dieser Zeit auch zum Dienst in einem russischen Lazarett zwangsverpflichtet, erkrankt dabei selber schwer an Typhus. Einen Schulabschluss verpasst sie in den Wirren dieser Jahre.
» Die Geschichte von Maria Branahl

 

Werner Wilde
*1931 in Kostberg

Auf der Flucht, die für ihn am 23. Januar 1945 beginnt, wird seine Familie getrennt, findet erst später wieder zusammen. Als Pensionär beginnt Werner Wilde seine Lebenserinnerungen aufzuschreiben: „Heimsuchung – Gott schreibt gerade auch auf krummen Linien“. Nach mehrjähriger Arbeit kann er die Aufzeichnungen an seinem 80. Geburtstag seiner Familie übergeben.

 

Gertrud Mai
*1936 in Wormditt

Als achtjähriges Mädchen erlebt Gertrud Mai auf der Flucht den Tod ihres jüngsten Bruders, den die Familie unterwegs beerdigen muss. In Hildesheim angekommen, wächst Gertrud Mai unter schwierigen Bedingungen heran. Zwar stößt der Vater als Kriegsheimkehrer wieder zur Familie, doch die wirtschaftliche Not bleibt lange allgegenwärtig. Die Stadt wird gleichwohl ihre Heimat.

 

Konrad Sindermann
*1939 in Herzogswalde

Aufgewachsen in der Grafschaft Glatz, flieht er als Sechsjähriger mit seiner Familie Richtung Westen. Nach Studium und Priesterseminar, das zu seiner Zeit überwiegend Schicksalsgenossen besuchen, wird Konrad Sindermann 1965 Priester des Bistums Hildesheim. Die gelebte Ökumene ist für ihn ein positives Ergebnis aus dem neuen Zusammenleben von Protestanten und Katholiken.

 

Otto Wagner
*1931 in Wolfsdorf

Sein Vater stirbt während des Krieges, ihm selbst gelingt mit zwölf Geschwistern die Flucht nach Celle. Otto Wagner findet dort Arbeit im Bergbau, engagiert sich auch kirchlich. Als Messdiener begleitet er Anfang der 50er Jahre den sogenannten Kapellenwagen, einen umgebauten Bus, der als mobile Kirche in die nun von vielen katholischen Flüchtlingen besiedelten Dörfer fährt, die keine katholische Kirche haben.

 

Monika Simeth
*1932 in Berlin

Sie ist Tochter von Peter Koller, der noch unter den Nationalsozialisten die Stadt Wolfsburg plant, zu bauen beginnt und nach der Entnazifizierung das Projekt auch fortsetzen kann. Entsprechend privilegiert herangewachsen, erlebt Monika Simeth ihren Wohlstand inmitten der mittellosen Flüchtlinge als sehr belastend. Ihre besten Freundinnen findet sie aber in genau diesen Familien.

 

Irene Klein von Nethen
*1931 in Hindenburg

Noch heute betrachtet sie Schlesien als ihre eigentliche Heimat. Irene Klein von Nethen leitet über Jahrzehnte den Chor der Landsmannschaft in Bremerhaven und wird u.a. dafür mit dem Schlesierkreuz ausgezeichnet. Als aktive Katholikin erfährt sie in der Diaspora mitunter Ablehnung und Vorbehalte, auch in der Familie ihres evangelischen Lebensgefährten.

 

Carl Hahn
*1926 in Chemnitz

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG in Wolfsburg ist als Assistent der Geschäftsführung in den 50er Jahren unmittelbar am Auf- und Ausbau des Konzerns beteiligt. An den Vertriebenen, von denen viele Arbeit bei Volkswagen finden, beobachtet Carl Hahn eine hohe Motivation. Ihre Leistungsbereitschaft hat für ihn großen Anteil an der Aufbruchsstimmung jener Jahre.

 

Josef Rother
*1928 in Frankenstein

Noch nach Kriegsende gerät er in polnische Gefangenschaft, wird misshandelt und leidet bis heute an den Folgen der Haft. Dass Josef Rother seinen Peinigern vergeben kann, erklärt er mit seinem starken Glauben. Trotz geringer Einkünfte spart er zu Beginn der 50er Jahre 1.000 Mark und spendet der Gemeinde in Rodewald eine Marienstatue. Bis zu ihrer Profanierung im Januar 2015 betet er täglich in seiner Kirche.
» Die Geschichte von Josef Rother

 

Klaus Knackstedt
*1925 in Hildesheim

Bereits während des Krieges in der katholischen Jugendarbeit aktiv, erlebt er als Zwanzigjähriger den Zustrom der Flüchtlinge. Die schnelle Integration vor allem der jungen Vertriebenen ist ihm in seiner Arbeit als Diözesanjugendführer ein besonderes Anliegen. Klaus Knackstedt, der 1955 Priester des Bistums Hildesheim wird, organisiert einen großen, diözesanen Jugendtag in der zerstörten Bischofsstadt und baut mehrere Jugendgruppen auf.